Erster Matchball verwandelt

VfK folgt Ispringen ins Finale

Der VfK Schifferstadt steht nach einem überzeugenden 16:11-Erfolg gegen den ASV Nendingen im Finale der Deutschen Ringerliga, der Beletage des Deutschen Ringsports. 13 Jahre mussten die Anhänger des VfK auf diesen Moment warten. Die mit Abstand längste Durststrecke, welche das Schifferstadter Publikum seit dem ersten Meistertitel 1960 jemals durchleben musste. Durchschnittlich jede zweite Saison stand der VfK bis zum Bundesliga-Aus 2007 im Finale um die Deutsche Meisterschaft, was dem gegenwärtig langen Zeitraum ohne Endkampf Ausdruck verleiht. Einige Höhen, aber auch etliche Tiefen und Täler mussten die Schifferstadter seitdem durchschreiten, doch alle Gedanken an die schweren und steinigen Tage waren endgültig passé, als Zurabi Erbotsnashvili am gestrigen Freitagabend, exakt um 22.11 Uhr, für die Entscheidung sorgte und seine Farben uneinholbar in Führung brachte.

Doch der Reihe nach: Bereits zwei mal trafen die beiden beteiligten Teams in der laufenden Runde aufeinander. 9:12 und 14:13 hießen die jeweiligen Endergebnisse aus Sicht des VfK, sodass auch im Vorfeld des gestrigen Kampfes davon auszugehen war, dass sich beide Staffeln erneut auf Augenhöhe begegnen werden. Die Nendinger boten zudem erstmals den ukrainischen Weltklasse-Athleten Zhan Belenyuk (amtierender Olympia-Zweiter und Weltmeister von 2015) auf, der seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis stellen sollte. Aber auch der VfK präsentierte mit dessen Landsmann, Zhora Abovian, einen jungen Neuzugang, welcher sich ebenfalls als Glücksgriff herausstellen sollte.

Dieser absolvierte auch gleich den ersten Kampf des Abends gegen den Moldawen Veaceslav Mamulat, dem der Schifferstadter mit vier 4er-Wertungen eine „Flugshow“ erteilte und damit die volle Punktzahl einheimste. Zuvor ehrte Thomas Hacker, erster Vorsitzender des VfK, die Jugend für ihre herausragenden Leistungen und die dritte Meisterschaft in Folge, während die Dany Dance Crew anschließend mit einer großartigen Tanz-Performance einzuheizen wusste. Weniger elegant und grazil, aber dafür ungemein ausgefuchst, spielte Schwergewichtler Daniel Ligeti im zweiten Kampf seine ganze Erfahrung aus, ließ seinen Gegner Ashgar Laghari immer wieder kommen, konterte erstklassig und sicherte letztlich zwei weitere Mannschaftspunkte für den VfK. Das sicherlich prestigeträchtigste Einzelduell bestritten anschließend Maxim und Andrei Perpelita. Der ältere Bruder auf Nendinger Seite behielt nach einem beherzten Kampf mit 5:3 die Oberhand und bestätigte damit seinen Erfolg aus dem Hinkampf. 6:1 waren die Hausherren nun in Front. Wenig überraschend, aber trotzdem immer wieder imposant, bestätigte der weiterhin ungeschlagene Georgi Melia im Folgekampf seine überragende Form, drehte seinen Gegner Ivan Polishiuk nach Belieben und ergatterte vorzeitig die volle Ausbeute zum 10:1-Zwischenstand. Diesen baute Levani Kavjaradze im letzten Duell vor der Pause aus und ließ Benjamin Raiser, der wie gewohnt stark dagegen hielt, keine Chance. Dadurch ging es aus VfK-Sicht mit einer komfortablen 12:1-Führung in die Halbzeitpause, was aufgrund der noch folgenden Begegnungen allerdings keineswegs die vorzeitige Entscheidung bedeutete.

Im Auftakt-Duell in Hälfte zwei standen sich der frisch gebackene georgische Meister Irakli Mtsituri sowie auf Nendinger Seite Nicolai Ceban gegenüber. Der Nendinger Punktegarant der vergangenen Meisterjahre spielte vor allem seinen Größenvorteil gekonnt aus und brachte mit zwei Mannschaftspunkten wieder Hoffnung ins Nendinger Lager. Dass diese nur Minuten später im Keim erstickt werden sollte, dafür sorgte besagter Zurabi Erbotsonashvili. Widersacher Evgheni Nedjalko, der sich vor der Weihnachtspause in absoluter Topform zeigte und überraschend deutlich den Ispringer David Tlashadze besiegte, fand gut in den Kampf, ging in Führung und schien die Aufholjagd der Gäste zunächst fortsetzen zu können. Doch Erbotsonashvili drehte zur zweiten Hälfte auf, kam in die Oberlage und startete seine unvergleichliche Beinschraube, welcher sich sein Kontrahent nicht mehr erwehren konnte, sodass der georgische Freistilkünstler innerhalb weniger Sekunden als technisch überlegener Sieger von der Matte ging. Damit war der VfK nicht mehr einzuholen, wenngleich noch drei Duelle folgen sollte. Die Nendinger betrieben in den abschließenden Begegnungen Ergebniskosmetik, wobei vor allem der nachfolgende Kampf zwischen Mannukhar Tskhadaia und Daniel Cataraga nochmal die Gemüter erhitzte. Mit einer strittigen 4er-Wertung, die man durchaus auch dem Schifferstadter hätte zuschreiben können/müssen, ging Cataraga in Führung, überzeugte anschließend mit all seiner Physis, die man beim jungen Ex-VfK’ler schon so oft bestaunen durfte und brachte die Führung sicher ins Ziel. Ilyas Özdemir stand gegen den besagten Zhan Belenyuk erwartungsgemäß ebenfalls auf verlorenem Posten, was jedoch angesichts des Zwischenstands zu verschmerzen war. Ebenso wie die Niederlage von Patryk Dublinowski, der gegen Piotr Ianulov lange gut mithielt und sogar in Führung ging. Doch der erfahrene Ianulov bewies einmal mehr, warum er auf deutschem Boden seit Jahren so schwer zu bezwingen ist. Mit 5:1 entschied er das letzte Duell des Abends für sich und schraubte den Gesamtstand auf 16:11.

Wiederum jeweils fünf Einzelsiege hatten beide Teams letztlich zu verzeichnen, was die Klasse beider Staffeln unterstreicht. Der VfK punktete allerdings gleich drei Mal vierfach, was an diesem Abend den Unterschied machte.

Insgesamt ein erneut gelunger Kampfabend in der wohl besten Liga der Welt, mit großem Spektakel und Werbung für den Ringsport, was bei der medialen Präsenz von RNF, SWR und Sport1 sowie etlichen Printmedien umso bedeutender ist und Lust auf mehr DRL-Ringen macht.

Die Finalkämpfe sind wiefolgt terminiert:

• Samstag 3.2.18: Ispringen – VfK

• Freitag 9.2.18: VfK – Ispringen

 

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