Interview – Markus Scherer vor dem DRL-Finale

Interview mit unserem Griechisch-römisch-Trainer Markus Scherer im Vorfeld des Final-Hinkampfes gegen den SV Germania Weingarten, am morgigen Samstagabend, 19.30 Uhr.

Hallo Markus, du standest mit dem VfK nun schon in etlichen Begegnungen um die Deutsche Meisterschaft. Weißt du überhaupt noch wie viele Finalkämpfe du als Trainer und Sportler für den VfK erlebt hast?

Markus Scherer (56): Das ist eine gute Frage. Als Trainer dürfte das nun die siebte Finalteilnahme sein. Ich bin mittlerweile seit 22 Jahren im Amt, da kommt schon einiges an tollen Erinnerungen zusammen. Als Athlet kamen noch viele Endkämpfe (zehn weitere Finalduelle; d. Red.) dazu, wenngleich wir leider des Öfteren den Kürzeren ziehen mussten.

Gibt es für dich ein persönliches Highlight in Bezug auf diese Ereignisse?

Das ist ganz schwierig. Jedes Finale ist für sich besonders und mit großen Emotionen verbunden, ob im positiven oder negativen Sinne. Oftmals haben wir auch ganz knapp verloren wie beispielsweise im vergangenen Jahr gegen den KSV Ispringen, als wir bei Gleichstand lediglich aufgrund der weniger gewonnen Einzelkämpfe unterlagen. Solche Erfahrungen prägen einen natürlich. Dennoch gab es selbstverständlich auch Momente, an die man gerne zurückdenkt und nie vergisst. Das Finale der Saison 89/90 gegen den AC Bavaria Goldbach war so ein Highlight. Rahmi Harunoglu gewinnt im letzten Kampf, mit der letzten Wertung gegen Ahmet Cakici und der VfK ist Meister, ein unbeschreibliches Gefühl. Mein erster Meistertitel als verantwortlicher Trainer war ebenfalls sehr speziell. Claudio Passarelli, damals schon lange im sportlichen Ruhestand, gab im Endkampf 02/03 gegen den KSV Aalen nochmal sein Comeback und sorgte mit seinem Sieg über Anton Nuding für die erste VfK-Meisterschaft nach 13 Jahren Durststrecke.

Du sprichst unter anderem das vergangene Jahr an. Steckt diese Niederlage noch in den Köpfen?

Nein, überhaupt nicht. Der Fokus liegt voll und ganz auf Samstag. Wenn man diesem Sport so lange verbunden ist, lernt man mit Niederlagen umzugehen, auch wenn es noch so bitter ist und kurzfristig an einem nagt. Zudem hat sich das Gesicht der Mannschaft auch auf einigen Positionen verändert. Für viele Athleten wird es das erste Finale auf deutschem Boden sein. Wir sehen das anstehende Duell als große Möglichkeit, um unseren Anhängern nach jetzt 14 Jahren ohne Titel, endlich wieder eine Meisterschaft zu schenken und diese Chance wollen wir nutzen.

Wie würdest du die bisherige Saison im Vorfeld des Finalkampfes beurteilen. Bist du mit dem Einzug ins Finale vollends zufrieden oder gibt es Verbesserungspotenzial?

In einer Saison gibt es immer Höhen und Tiefen. Es lief diese Runde zugegebenermaßen nicht alles so reibungslos wie in der abgelaufenen Runde, als wir schnurstracks ins Finale marschiert sind. Dafür hat es dann dort nicht gereicht, vielleicht läuft es jetzt ja umgekehrt. Wir haben uns dennoch fürs Finale qualifiziert und das überwiegt letztlich. Man muss auch sehen, dass alle Mannschaften personell nochmal mächtig zugelegt haben und die Leistungsdichte in der DRL enorm ist. Dementsprechend sind wir froh, diesem prestigeträchtigen Duell am Samstagabend beiwohnen zu dürfen.

Gehen wir etwas auf unser Personal ein. Du hast bereits erwähnt, dass es im Vorfeld der Saison einige Änderungen im Kader gab. Wer hat dich in der laufenden Runde besonders überrascht beziehungsweise gibt es so etwas wie einen Gewinner der Saison?

Erol (Freistil-Trainer Erol Bayram; d.Red.) und ich sind immer bestrebt, den Kader nach bestem Wissen und Gewissen zusammenzustellen, aber eine absolute Sicherheit hat man nie. Internationale Erfolge sind ein Indiz, aber keine Garantie, dass die Athleten auch in der Liga zünden. Teilweise andere Gewichtsklassen, das Prozedere mit dem Wiegen kurz vor Kampfbeginn und die oftmals berauschende Atmosphäre, welche auch für Weltklasse-Athleten nicht alltäglich ist, können Ringer schon mal überfordern. Demzufolge muss man sich schon etwas auf sein Gefühl verlassen und das scheint uns in diesem Jahr ganz ordentlich gelungen zu sein. Da jemanden herauszuheben ist sicherlich schwierig, aber vor allem Alan Ostaev hat mit starken Leistungen stets für Begeisterung gesorgt und durch seinen erstklassigen Charakter nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ähnlich verhält sich das bei Kazbek Kilov oder Sanal Semenov, der sein Debüt im Halbfinale gab und beide Begegnungen mit der maximalen Punktzahl gewann. Es freut uns natürlich umso mehr, wenn diese Profisportler auch im Training bereit sind, jüngeren Sportlern aus dem Nachwuchs Hilfestellungen zu geben und gewillt sind, sich einzubringen.

Nun zum Kampf. Wer ist der Favorit und wie schätzt du den SV Germania Weingarten ein?

Rein faktisch haben uns die Germanen bisher als einziges Teams zwei Mal geschlagen und die Hauptrunde als Gruppenerster beendet. Auch der Halbfinalsieg gegen den KSV Ispringen war durchaus eindrucksvoll. Wir wissen natürlich, dass die Vorzeichen bei den bisherigen Duellen gegen den SVG nicht mit den jetzigen zu vergleichen sind und beide Teams am Samstag mit Sicherheit eine andere Aufstellung wählen werden. Dennoch würde ich keiner Seite eine Favoritenrolle zuschieben, Kleinigkeiten werden entscheiden. Mit welcher Konstanz Weingarten seine Athleten auf die Matte bekommt, ist dennoch beeindruckend. Wir müssen verhindern, dass wir in eigener Halle früh ins Hintertreffen geraten und die Gäste zusammen mit ihren Fans von einer Euphoriewelle getragen werden. Wenn wir es schaffen, unsere Leistung aus dem Halbfinale erneut abzurufen, bin ich guter Dinge.

Gibt es für dich besondere “Schlüsselkämpfe“?

Jeder einzelne Kampf ist ein “Schlüsselkampf“. Wir sehen sicherlich zehn Hammer-Paarungen, in denen jeder Punkt wichtig sein kann. Nicht nur die sogenannten 50:50-Kämpfe, welche in die ein oder andere Richtung verlaufen können, sind dabei entscheidend, sondern auch prognostizierte Niederlagen und Siege. Misserfolge so gering wie möglich zu halten und bei eingeplanten Siegen dazu das Optimum herauszuholen, ist dahingehend ebenso ausschlaggebend. Wer sich dann im Endeffekt als “Matchwinner“ feiern lassen darf, werden wir erst im Nachhinein erfahren. Dennoch freut man sich aber gerade auf die ganz engen Duelle, wie wir sie bereits in der Vorrunde zwischen Zurabi Erbotsonashvili und Magomed Kadimagomedov oder Alex Hushtyn und Shamil Musaev gesehen haben und hoffen, dass wir diese dann auch für uns entscheiden.

Nur noch einmal schlafen und dann ist es auch schon soweit. Wie sieht der Ablaufplan für Mannschaft und Trainerteam bezüglich des letzten Vorbereitungstages aus.

Gestern war Hauptanreisetag, sodass wir einige Sportler auch gleich gestern Abend ins Training aufnehmen konnten. Gegen Mittag werden dann heute auch die letzten Athleten vor Ort sein, sodass wir abends eine gemeinsame Einheit auf der Matte ansetzen. Dann wäre auch schon der erste Ballast abgelegt, dem folgt nur noch das Wiegen am Kampftag. Im Anschluss bin ich schon wesentlich entspannter. Heute morgen trainieren die bereits anwesenden Jungs nach ihren individuellen Trainingsplänen, aber vermehrt im Gymnastikbereich. Die Zeit zwischen den Einheiten verbringen die Jungs größtenteils zusammen, ob beim Essen, Einkaufen oder im Gemeinschaftsraum. Da merkt man mittlerweile schon, dass der Zusammenhalt immer größer wird, je öfter man sich sieht. Am Abend wird dann nochmal zusammen mit uns Trainern und Verantwortlichen gegessen, gefachsimpelt und ausgetauscht. Den Kampftag selbst gestaltet auch jeder Sportler anders. Jeder hat so seine Rituale. Grüppchenweise kommen die Sportler nach dem Frühstück in die Halle, wollen Luft schnuppern, die Logistik vor so einem Kampf nochmal begutachten. Wir haben im Sportzentrum inklusive der Schlafstätten ja ganz kurze Wege, sodass man eigentlich zu jeder Zeit zusammen ist. Am späten Nachmittag findet man sich dann nochmal in der Aufwärmhalle zusammen, spricht vereinzelt mit den Athleten, muss diesen aber auch genügend Zeit geben, sich individuell zu fokussieren.

Wie genau bereitest du deine Sportler auf den Kampf und mögliche Gegner vor. Gebt ihr euren Athleten vor, wie viel Punkte ihr von ihnen jeweils erwartet?

Das ergibt sich im Wochenverlauf. Man führt ja immer wieder Gespräche, die Jungs wollen natürlich auch wissen, wer auf sie wartet. Da geht man schon nochmal durch, welche Taktiken oder Techniken der Kontrahent besonders bevorzugt. Die Sportler in der DRL sind allerdings auch allesamt Profis genug und kennen deren Gegner meistens schon vorher ganz gut. Einige Duelle werden sich im Vergleich zur Vorrunde vermutlich auch wiederholen, da eruiert man zusammen mit dem Sportler, was verbessert oder beibehalten werden könnte. Wir werden allerdings niemals vorgeben, wie viele Punkte wir uns erwarten oder wie viele jemand maximal abgeben darf. Wir wollen jeden Kampf gewinnen und die Athleten sowieso. Da können und wollen wir keinem erzählen, er solle doch bitte darauf ringen, maximal zwei Punkte abzugeben. Die Zuschauer sollen attraktive Ringkämpfe sehen. Während des Kampfverlaufes haben wir dann immer noch die Möglichkeit auf die Ringer einzuwirken. Dass wir beispielsweise bei einem 0:7-Rückstand kurz vor Schluss den “Dreier“ verhindern wollen und versuchen, die Offensivaktionen einzudämmen, ist ja selbstverständlich. Das hängt dann aber natürlich auch vom Gesamtstand ab.

Bevor du dich ganz der Vorbereitung auf den morgigen Kampf hingeben kannst. Was wünschst du dir fürs Finale?

Der Wunsch nach sportlichem Erfolg steht logischerweise außer Frage. Darüber hinaus gilt es, die Sportart bestmöglich zu repräsentieren und Begeisterung zu entfachen. Wir wollen unseren Fans Spektakel bieten, das können wir auf der Matte beeinflussen und dafür geben wir alles. Umgekehrt hoffen wir, dass die Unterstützung der Ränge, wie es unser Abaraade-Fanclub bei jedem Kampf phänomenal vorlebt, eine Symbiose verursacht und das Team von den Zuschauern getragen wird. Nur dann lässt sich ein Erfolg, wie wir ihn im Halbfinale erlebt haben, bei dem ein Rädchen ins andere griff, wiederholen.

Wir bedanken uns bei Markus Scherer für das ausführliche Interview und hoffen auf einen spektakulären Heimkampf!

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