Meister-Coup perfekt

VfK beendet 14 Jahre Durststrecke

21.38 Uhr zeigte das Chronometer am vergangenen Samstagabend in der Weingartener Walzbachhalle, als Lasha Gobadze den entscheidenden Kampf um den Titel in der Deutschen Ringerliga gegen Jan Fischer für sich entschied und damit in die Annalen des ruhmreichen VfK Schifferstadt einging, der mit diesem historischen Erfolg den elften Stern seiner Vereinsgesichte feiern durfte. „Endlich! Ich habe so lange auf diesen Titel warten müssen. Ein Traum geht in Erfüllung“, freute sich Freistil-Coach Erol Bayram im Anschluss der Begegnung über seinen ersten DMM-Titel.

Bereits im Vorfeld des Final-Rückkampfes entwickelte sich eine elektrisierende Stimmung, welche bereits beim Einmarsch für Gänsehaut sorgte. Ein Blau-Gelbes-Fahnenmeer bekleidete die VfK-Staffel unter stehenden Overtionen und klangvollen Gesängen auf die Matte.

„Unsere Fans geben uns Kraft, auch wenn es bei mir nicht ganz reichte. Wir schaffen das“, versicherte Startringer Zhora Abovian im Anschluss seines verlorenen Auftaktkampfes gegen Luis Orta und sollte recht behalten. Der junge Ukrainer hielt die erste Hälfte noch offen, ehe sein kubanischer Kontrahent im zweiten Durchgang anzog und vier Zähler enteilte. Kurz vor Kampfende ergab sich dann doch nochmal die Chance zu einem Ausheber, doch Orta wehrte ab, sodass die ersten beiden Mannschaftspunkte aufs Konto der Germanen wanderten.
Einen nahezu goldenen Schachzug vollzog Freistil-Coach Erol Bayram mit der Nominierung des anschließend eingesetzten Alexander Hushtyn, der an Stelle von Daniel Ligeti das Schwergewicht besetzte und trotz starker Leistung ganz knapp mit 1:2 verlor.
Doch die Weingartener Aufholjagd bremste Zelim Abakarov bereits im dritten Kampf und erstickte damit die aufkochende Stimmung im SVG-Lager. Nachdem der Freistilkünstler seinen Gegner Vasyl Shuptar in der Hauptrunde noch mit einem Beinschrauben-Festival frühzeitig von der Matte fegte, ging es im erneuten Aufeinandertreffen über die volle Distanz, doch Abakarov sicherte mit einem souveränen 7:0 die ersten beiden wichtigen Punkte für den VfK.
Ein klassisches Schlüssel-Duell stand nun Jawid Hamzatov bevor, der sich erneut mit Maxim Safarian messen musste, dem er aufgrund von 300 Gramm Übergewicht im Hauprunden-Duell noch 4:0 unterlag. Diese Schmach wollte der amtierende Olympia-Dritte jedoch spürbar wettmachen und ging schnell mit 2:0 in Führung. Mit einer energischen Defensivleistung sollte diese auch nach sechs Minuten Bestand haben, denn der VfK’ler erlaubte Safarian keine technische Wertung und glich damit zum 3:3 aus.
Dem folgte im letzten Kampf vor der Pause Sanal Semenov, welchem erneut Maxim Mamulat gegenüberstand. „Sanal hat sich heute richtig quälen müssen. Er war schon ziemlich angeschlagen“, bezog sich Griechisch-römisch-Trainer Markus Scherer auf die sichtbar lädierte Schulter Semenovs. Tatsächlich musste der erfahrene Russe erstmals in dieser Saison über die volle Distanz gehen, lieferte aber wie auch Kontrahent Maxim Mamulat einen fantastischen Fight. Mit 12:6 setzte sich der erfahrene Russe dennoch durch und fuhr zwei ganz wichtige Zähler zur beruhigenden 5:3-Pausenführung ein.

„Bisher läuft alles recht planmäßig, wir sind zufrieden“, gab sich Erol Bayram zur Halbzeit optimistisch und auch im zweiten Durchgang sollte sich daran nichts ändern.

Alik Shebzukov zeigte anschließend passend zum Saisonhöhepunkt seine beste Saisonleistung und lieferte sich mit dem favorisierten Arsenali Musaliev einen Kampf auf Augenhöhe. Dass es beim 4:4-Endstand aufgrund einer Verwarnung doch nicht zum Sieg reichte, war allerdings zu verschmerzen, denn im folgenden Kampf durfte wieder einmal Bajrang Punia sein Können zur Schau stellen.
In der Neuauflage des letztwöchigen Duells zwischen dem Inder und Alejandro Valdes durften die Zuschauer wiederum Zeugen eines einzigartigen Gefechts werden, in dem sich Bajrang Punia erneut durchsetzte. Alejandro Valdez zeigte sich zunächst erholt von seiner historischen Pleite der Vorwoche und setzte Bajrang immer wieder unter Druck. Doch Punia, ausgestattet mit der Ausdauer eines Mauerseglers, überrollte den kubanischen Edeltechbiker wie auch im Hinkampf mit seiner ganzen Dynamik und stellte nach 3:4-Rückstand noch auf 11:4 und ließ damit auch die letzten Zweifler verstummen.
Somit war der Weg für Lasha Gobadze geebnet. Im vergangenen Jahr noch schmerzlich beim Hinkampf in Ispringen vermisst, oblag es nun gerade ihm, das Meisterstück zu vollenden. Erneut bot dessen Gegner Jan Fischer eine erstklassige Defensivleistung und ging nach einem Konter gar in Führung. Doch Lasha Gobadze wusste seine konditionellen Vorteile clever in Punkte umzumünzen und siegte letztlich verdient mit 6:2. Der neue Meister der Deutschen Ringerliga stand somit fest. Zum Abschluss gab es nochmals attraktiven Ringsport, wenngleich die sportliche Brisanz gerade beim VfK auf ein Minimum gesunken war, lag man sich doch mehrheitlich in den Armen und feierte bereits den Titel.
Dennoch wollten sowohl Vasyl Mikhailov als auch Kazbek Kilov zum Abschluss einer langen Saison nochmal für einem persönlich erfolgreichen Abschluss sorgen, beide Athleten verloren allerdings hauchdünn. Die Freude war trotz zweier abschließender Niederlagen in keiner Weise getrübt und fand ihren Höhepunkt, als Erol Bayram als Erster den Pokal in die Höhe stemmte. Bis in die Morgenstunden feierten die Schifferstadter in der Rettichstadt und ließen ihren freudigen Gefühlen freien Lauf.
Publikumsliebling und personifizierter Dosenöffner im Final-Hinkampf Georgi Vangelov schickte im Anschluss der Begegnung noch Grüße aus der bulgarischen Heimat und hielt es mit den nüchternen Worten: „We are the Champions!“

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