Meisterschaft als anvisiertes Ziel

Das lange Warten auf einen Mannschaftswettkampf neigt sich auch im Ringkampfsport dem Ende, denn bereits am kommenden Samstag, 17 Uhr, soll der Ligabetrieb nach einjähriger Pause starten. Der VfK empfängt zum Derby das fusionierte Team des ASV Ludwigshafen und KSC Friesenheim. Zuvor finden ab 15.30 Uhr Jugendkämpfe statt. Der letzte Kampf des VfK datiert bereits vom 07. Dezember 2019 und liegt somit fast zwei Jahre zurück. Umso größer ist die Vorfreude auf die neue Saison, welche beim VfK jedoch die alten Ziele beinhaltet. Nach dem Rückzug in der Deutschen Ringerliga schickt man nur noch eine aktive Mannschaft ins Rennen, die in der Rheinland-Pfalz-Liga um den Meistertitel kämpfen soll. „Unsere Projektplanung hat sich durch die Aussetzung der vergangenen Runde leider um ein Jahr verzögert. Dennoch konnte der Kader weitestgehend zusammengehalten werden, weshalb die zukünftig neugeschaffene zweite Liga weiterhin unser mittelfristiges Bestreben darstellt. Dann könnten wir auch wieder eine zweite Mannschaft etablieren“, nennt Griechisch-römisch-Trainer Markus Scherer die festgelegte Zielsetzung. Dabei bezieht sich Scherer weniger auf kühne Pläne, den VfK schnellstmöglich wieder in den Elitekreis des deutschen Mannschaftringens zurückzubringen, sondern auf ein passendes sportliches Umfeld, das den vielen Talenten ermöglichen soll, sich auf entsprechendem Niveau entwickeln zu können. „Wir verfallen definitiv nicht in Größenwahn. Unser vorrangiges Ziel bleibt es, eine Plattform zu bieten, die uns vor allem für unsere erfolgreichen Nachwuchsathleten attraktiv macht. Dies sehen wir in den nächsten Jahren in der zweiten Liga“, erklärt Scherer, welcher weiterhin mit seinem langjährigen Kollegen Erol Bayram am Mattenrand stehen wird. Bayram sieht diese Marschrichtung vor allem als Chance, potentielle Abgänge eigens ausgebildeter Athleten künftig zu vermeiden. „Es hat in der Vergangenheit geschmerzt, dass wir beispielsweise mit Julien Zinser oder Horst Lehr vielversprechende Nachwuchsringer abgeben mussten, weil wir ihnen keine vernünftigen Rahmenbedingungen im Ligabetrieb bieten konnten“, sinniert der Freistil-Trainer über die Gründe zurückliegender Abgänge.

Dass das Vorhaben allerdings kein Spaziergang wird, bleibt dem Trainergespann nicht verborgen, denn vor allem mit den Zweitvertretungen der Bundesligateams aus Mainz, Nackenheim und Bad Kreuznach ist für hochkarätige Konkurrenz gesorgt, die mit potentiellen Ergänzungen aus der jeweiligen ersten Garnitur als „Wundertüte“ eingeschätzt werden müsste. Dem letztmaligen Vizemeister AC Thaleischweiler wird ebenso eine Favoritenstellung eingeräumt. Die Mannschaften aus Ludwigshafen und Pirmasens vervollständigen die siebenköpfige Staffel, welche ihren ersten Wermutstropfen bereits im Vorfeld hinnehmen musste. Der AV 03 Speyer hat sich coronabedingt aus dem Ligabetrieb zurückgezogen, sodass der VfK folglich auf zwei spannende Derbys verzichten muss. „Trotz dieser Nachricht bieten jeweils sechs Heim- sowie Auswärtskämpfe genügend Ringkampfsport für die begeisterten Zuschauer, welche sich auf einen gut austarierten Kader freuen dürfen“, ist sich Scherer sicher.

Im Aufgebot stehen insgesamt 17 aktive Ringer, die für den VfK auf die Matte gehen werden. Dabei kommen alle deutschen Athleten aus dem eigenen Nachwuchs, ergänzt durch vier ausländische Athleten. „Unser Bestreben ist es, die eigenen Akteure nachhaltig zu entwickeln. Daher haben wir uns eine maximale Grenze von vier ausländischen Ringern gesetzt. Diese Möglichkeit soll allerdings lediglich in den absoluten Topkämpfen ausgeschöpft werden, um das Saisonziel mit Punktegaranten abzusichern“, erklärt Bayram die Vorgehensweise in der Kaderzusammenstellung. Primär liegt der Fokus beim Einsatz externer Athleten jedoch auf der Besetzung des Schwergewichts, wo der VfK in beiden Stilarten selbst keinen Ringer in den eigenen Reihen hat. Die Misere in den beiden oberen Gewichtsklasse sieht der Übungsleiter jedoch nicht als Anlass zur Sorge. „Unsere Sportler sind alle noch extrem jung, mitunter noch gar nicht ausgewachsen. Da ist es gut möglich, dass der ein oder andere im Laufe der Karriere noch in höhere Gewichtsklassen hineinwächst“ verdeutlicht Bayram. Entsprechend musste sich der VfK auf dem Markt bedienen und die Wahl fiel zumindest im freien Stil auf einen alten Bekannten. DRL-Meisterringer Alex Hushtyn deckt die Gewichtsklassen 98 und 130 kg ab, während dessen Pendant im Griechisch-römischen Stil neu beim VfK ist. Der Pole Piotr Chudzik ersetzt hier künftig Landsmann Marcel Kasparek, welcher zum Mixed Martial Arts (MMA) abgewanderte.

„Wichtig ist uns, dass wir mit den wenigen ausländischen Sportlern nachhaltig planen und uns diese auch über die Saison hinaus erhalten bleiben. Wir wollen jetzt das Gerüst für die nächsten Jahre bauen“, blickt Scherer voraus. Zu den Punktebringern aus dem eigenen Stall sollen vor allem die beiden Freistil-Asse Christian Hermann (80 / 86 kg) und Leon Zinser (57 kg) gehören, welche kürzlich noch auf nationalem respektive internationalem Parkett Medaillen einheimsten. Positiv überraschen könnten zudem Kevin Mankov (75 / 80 kg), Okan Lyutvi (75 / 80 kg) sowie Yunus Apaydin (66 kg), die ebenfalls allesamt im freien Stil antreten. Markus Scherer baut im Griechisch-römischen Stil dagegen weiter auf seine stabile Achse um Samuel Remle (75 / 80 kg), Robert Kaiser (86 kg) und Marc Fischer (66 kg).

„Die Begeisterung für unseren Sport ist bei allen Beteiligten weiterhin extrem groß. Wir wollen den Menschen nun zeigen, dass der Ringsport immer noch lebt und präsent ist“, ist Markus Scherer die Vorfreude auf den ersten Heimkampf im Gesicht abzulesen. Dass das Ringen in Schifferstadt immer noch eine Institution darstellt, beweist vor allem die Nachwuchsarbeit des deutschen Rekordmeisters. Über 60 Kinder sind zuweilen auf den Trainingsflächen des VfK zu finden. Selbst negative Auswirkungen durch die Pandemie lassen sich diesbezüglich nicht feststellen. Auch das von Marleen Johann neu installierte Feriencamp für Kinder bis zu 12 Jahren fand enormen Zulauf, sodass in wenigen Jahren vielleicht sogar der nächste junge Schwergewichtler aus den eigenen Reihen kommt.